30.12.2012

29.12. Der erste 1000er

Ich habe den Flug ziemlich ausf├╝hrlich beschrieben. Es gibt aber einfach so viel, was man dazu schreiben kann. Und wenn ich mir das in einem Jahr mal wieder durchlese, dann habe ich da viel mehr von, als nur von der IGC-Datei ­čÖé

Heute fliegen Nils und ich wieder zusammen. Wetter h├Ârt sich im Briefing gut an (ich hab ein paar Wetter-Karten unten). Wolken sind f├╝r den Norden bzw. f├╝r Nordwesten angesagt, Thermik gut. Wir holen den Flieger aus der Halle und ziehen zum Start. Runway-in-use ist die 09 – das bedeutet wir m├╝ssen ein gutes St├╝ck um die Pfanne herumziehen. Checken, alles einpacken was wir brauchen: Trinksack, Essen, Satellitentelefon, Karten usw, dann geht es schnell los. Ich m├Âchte keine Zeit verlieren um das Maximum aus dem Tag heraus zu holen. Damit dass wir die 1000km schaffen, habe ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht gerechnet.

Start

├ťber Bitterwasser ist es Blau. Auch keine Wolken in der Umgebung zu sehen. Wir kurbeln auf etwa 2.900m und machen uns auf den Weg. Geplant habe ich zun├Ąchst in den Nordwesten zu fliegen um von dort dann Ziel-R├╝ck ├╝ber das Gebirge zu fliegen (h├Ąufig eine gute Strecke und auch in der PFD-Karte vielversprechend). Kurz nach dem Abflug f├Ąllt mir auf, dass der LX Zeus nicht richtig anzeigt. Neustart hilft auch nicht. Irgendwann bekommt er wieder Signal und zeigt richtig an. ├ťber den Ausfall habe ich mir noch keine gro├čen Sorgen gemacht. Ich hatte ja noch mein Handy mit Zusatzakku und XCsoar zum Navigieren mitlaufen und das Flarm lief ja auch noch.

8m/s

Es geht gut┬ávoran┬áim Blauen. Die Steigwerte sind gut und die Basis steigt zunehmen an. Es entwickeln sich langsam auch Wolken vor uns. Richtung Osten sieht es tendenziell noch besser aus, wir halten aber an unserem Plan fest. Nach etwas 140km erreichen wir eine der ersten Wolken, die uns fast 1000m h├Âher katapultiert┬áals wir bisher geflogen sind (auf 4.600m). Und das mit einem maximalen Steigen von ├╝ber 8m/s auf dem Integrator. Ab hier an sinken wir kaum noch einmal unter 3.000m. Alles unter 1.000m ├╝ber Grund ist aber bei den Landem├Âglichkeiten eine H├Âhe die man besser meidet und das Gebirge ist z.T. 2.000m hoch.

Unter den Wolken

Unter den Wolken l├Ąuft es super, wir fliegen die Gliding-Zone bis in die nordwestliche Ecke aus und drehen dann nach S├╝den – dem Gebirge folgend. Eine Konvergenzline oder Wolkenstra├če hat sich noch nicht entwickelt, aber die Wolken ziehen gut. Wir haben allerdings bei der ein oder anderen Wolke Schwierigkeiten ├╝berhaupt das Steigen zu treffen. Die Wolken werden nach 100km zunehmend weniger und ich treffe die Entscheidung nach Nordosten zu wenden. Den Schenkel lege ich vorbei an dem Luftraum von Windhoek bzw. der Bufferzone nach NW. Weiter s├╝dlich stehen keine Wolken mehr. Es gelingt uns aber au├čerhalb der Bufferzone (nur bis FL145 erlaubt) zu bleiben und trotzdem noch die Wolken mitzunehmen. Auf diesem Schenkel kommen wir am schnellsten voran. Mit Grundgeschwindigkeiten > 220km/h. Hier zahlt sich das Fliegen in gro├čer H├Âhe aus – die Basis steigt auf 5.000m MSL an.

Gewitter

Auf diesem Schenkel fliegen wir ca. 280km mit einer Schnittgeschwindigkeit von 137,9 km/h. Jetzt fange ich an zu Rechnen: „Wir fliegen jetzt ┬áetwa 4 Stunden und haben ca. 500km geschafft. Wir haben noch 4,5 Stunden Tageslicht. Sollte doch zu schaffen sein (die 1.000km)?!“ Diese Art von Rechnung machen wir jetzt immer wieder; bzw. Nils rechnet, w├Ąhrend ich fliege :D. Weiter im Nordosten kommen wir in die N├Ąhe eines Gewitters. Da nicht genau abzusehen ist, wie weit sich das erstreckt, drehen wir nach S├╝den ab. Der Bedeckungsgrad nimmt hier zu. Das Steigen ist immer noch gut, wenn man es trifft. Wir m├╝ssen aber zunehmend mehr suchen.

Blick zur├╝ck

Nach nur 70km und einem „Absacker“ steht die Entscheidung wieder zu wenden und zur├╝ck Richtung Nordwesten zu fliegen, wo das Wetter besser war. Das ist aber schwieriger als gedacht. Die Optik sieht gar nicht mehr nach sch├Ânen Cumulus aus, sondern breitgelaufen oder zerrissen. Wir m├╝ssen die Geschwindigkeit zur├╝cknehmen und weitere Strecken gleiten, sind auch ├╝ber m├Ą├čiges Steigen froh. Der Schlenker in diese Ecke kostet uns wertvolle Zeit. Voraus sind von den sch├Ânen Cumulus auf dem Hinweg auch nur kleine Fetzen ├╝brig. Das Ziel die 1.000km zu schaffen scheint uns nicht mehr wahrscheinlich.

Wir arbeiten uns weiter vor Richtung Westen. Das f├╝hrt uns auch wieder in die N├Ąhe von Bitterwasser. Endanflugh├Âhe h├Ątten wir. Inzwischen haben wir ca. 800km. Aber zur├╝ckfliegen kommt nicht in Frage, wir haben noch fast zwei Stunden Tageslicht. Also weiter Richtung Westen. Jetzt l├Ąuft der Kilometerz├Ąhler mit jedem km, den wir fliegen, gleich doppelt hoch (mit dem gerechneten R├╝ckweg nach Bitterwasser). Sonnenuntergang ist um 19:37 Uhr. Um 18:15 Uhr erwischen wir einen Bart, der uns mit unerwarteten 3m, ┬ánach l├Ąngerem Gleiten endlich wieder auf 4.600m bringt. Ich entschlie├če mich weiterzufliegen, bis 1000km auf dem Streckenz├Ąhler stehen. Notfalls mit dem Motor zur├╝ck; das muss ich versuchen. Und es ist schon der 5. Schenkel, d.h. der letzte bleibt f├╝r den R├╝ckweg. Etwa 70 Minuten vor Sonnenuntergang kommt der Rechner den 1.000km n├Ąher: 990, 991, 992, 993, 994 ….. er bleibt stehen ….. „Verdammt, warum jetzt?“ Wir fliegen noch ein paar km weiter, dann sage ich mir: Das muss reichen und drehe um.

Wir sind 120km von Bitterwasser entfernt und haben noch eine gute Stunde Zeit. Das Problem ist: Wir haben ca. 40km/h Gegenwind und uns fehlt noch massig H├Âhe f├╝r den Endanflug. Wir fliegen los Richtung Bitterwasser und versuchen jedes Steigen mitzunehmen. Wir finden ein bisschen was und machen ein paar Kreise (durchschnittssteigen 1,1m/s). Hier gibt es die Regel eine Stunde vor Sonnenuntergang eine Meldung an Bitterwasser abzusetzen (aus Sicherheitsgr├╝nden; eine Stunde vor Sonnenuntergang kann man noch jemanden suchen). Also: „Bitterwasser, AJ, Position-Report, 100km north-west of the pan“ – „AJ, copy that“.

Auf dem Weg nach Bitterwasser

Ich war noch nie bei einem Flug so gespannt und aufgeregt, ob es noch zur├╝ck reicht, wie bei diesem. Der km-Z├Ąhler sagt inzwischen 1007km. Wir m├╝ssen es nur noch zur├╝ckschaffen! Wir gleiten weiter, es ist inzwischen ruhig geworden, alle Fetzen haben sich aufgel├Âst. Das wird nichts, die H├Âhe reicht einfach nicht. So m├╝ssen wir wohl noch den Motor ziehen. Dann treffen wir aus dem Nichts noch mal einen Bart. Jetzt sch├Ân vorsichtig einkreisen. Der ist gar nicht schlecht! Im Schnitt 1,8m/s! Wo der herkommt ist egal, Hauptsache es geht hoch! Jetzt scheint die H├Âhe nicht mehr das Problem zu werden! Wir sind immer noch 80km von Bitterwasser entfernt. Nils muss mir inzwischen min├╝tlich die Uhrzeit ansagen! Noch 42 Minuten bis Sonnenuntergang, der Rechner sagt wir brauen 37 Minuten bis Bitterwasser. Passt doch! Endanflugh├Âhe sieht auch gut aus! Wir fliegen los. Auf dem Weg treffen wir die eine oder andere tragende Linie und die Endanflugh├Âhe l├Ąuft hoch. Um 19:27 Uhr sind wir ├╝ber der Pfanne. Noch 10 Minuten Zeit. Noch genug Zeit ein paar Kilometer zu verl├Ąngern. Wer wei├č ob XCsoar richtig gerechnet hat.

Sonnenuntergang

Inzwischen ist der Sonnenuntergang sehr sch├Ân anzusehen. Wir drehen um, XCsoar berechnet jetzt 1017km. „Bitterwasser, AJ, left hand downwind 09-left, gear down and locked“. Eindrehen in den Queranflug, Sonnenbrille absetzen und nochmal auf die Landung konzentrieren. Geschafft!! ­čÖé

Die Spannung hielt aber noch l├Ąnger an (erst mal sehen, was der OLC berechnet). Der Logger hatte 60km kein GPS-Signal. Die Datei vom Flarm konnten wir nicht verwenden, weil kein ENL-Sensor eingebaut ist. Auf Anraten von Rainer Rose, der hier auch gerade zum Fliegen ist, habe ich dann die Datei mit dem 60km Aussetzer hochgeladen: Flug ist gr├╝n (valid) und die Wertungsstrecke sind 1.018,8km!! Zum Gl├╝ck war der Aussetzer auf dem Schenkel und der Start war noch mit drauf.

Das war wirklich ein super Flug und hat unglaublich viel Spa├č gemacht. War aber auch seeehr aufregend ­čÖé

Hier ist der Link zum OLC:
http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?dsId=2804202

Ausgerollt Nach der Landung

Flugzeug wieder in der Hallte

Flugzeug wieder in der Hallte

Wolken vor uns

Wolken vor uns

Neben der Wolke :D

Neben der Wolke ­čśÇ

Die Wolken werden wieder weniger

Die Wolken werden wieder weniger

Potentielle Flugdistanz

Potentielle Flugdistanz

Konvektionskarte

Konvektionskarte

Wolkenverteilung

Wolkenverteilung

Flug in Seeyou

Flug in Seeyou

Kommentare

danke f├╝hr den tollen bericht und guten rutsch
nicht alles durcheinander trinken
liebe gr├╝├če christa + rolf

Echt super geschrieben!!! Ich kam mir beim lesen vor, als ob ich selber dabei war! Du hast echt Talent!!! (Nicht nur zum fliegen ­čśë )
Ich w├╝nsche euch auch eine sehr guten Rutsch ins neue Jahr!

Ich denke viel an euch (aber besonders an Tim!)

Ganz viele liebe Gr├╝├če aus der Heimat!

Hallo Familie R├╝henbeck
Unseren aller herzlichsten Gl├╝ckwunsch zu diesem fantastischen Flug. Der Bericht war sehr authentisch entsprechend der Dramaturgie dieses Fluges. Wir w├╝nschen euch weiterhinsch├Âne Fl├╝ge und einen guten Rutsch in┬┤s neue Jahr.

Sigrid und Gerhard Freymuth

Hallo Familie R├╝henbeck,

ganz tolle Leistung!! Ich gratuliere ganz ganz herzlich!!

Der Bericht ist super Tim!!
W├╝nsche weiterhin sch├Âne Fl├╝ge!!

Viele Gr├╝├če und guten Rutsch
Anne und Freddie

Gl├╝ckwunsch zum ersten 1000 und weiterhin gutes Wetter und sch├Ânen Urlaub.
Die Webseite mit den Berichten sind jeden Tag Pflichtlekt├╝re.
Ich w├╝nschen euch einen guten Rutsch in`s Neue Jahr.
VG
J├Ârg

Hallo Familie R├╝henbeck,
ich schlie├če mit den obigen Kommentaren an.
Bin begeistert.
Weiterhin viel Erfolg und eine guten Rutsch in das neue Jahr!
Rolf

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